Thomas' neuer Reisepass. Eine Satire von Richard Krause

Die alten Pässe bleiben gültig! Hier der Jochpass, Foto: Woxe

 

 

Ist was? Ja doch, der ab dem 01.03.2017 erhältliche neue Reisepass enthält ein holografisches Bild des Brandenburger Tores. Für einen reibungslosen Grenzübertritt müssen Genetiker nur noch klären, wie man den Menschen das Aussehen des Nationaldenkmals verpasst.  

Die von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere vorgestellte Neuerung hat große Vorteile. Die von der Quadriga gekrönten Säulen haben einen hohen Wiedererkennungswert, so dass Bundesbürger im Ausland auf den ersten Blick erkennbar sein werden. Die bisherige aus Sandalen, Shorts und weissen Socken bestehende Uniform entfällt dann genau so, wie das Reservieren der Liegen am Hotelschwimmbad mittels Handtüchern. Den hippen Holopass drauflegen genügt. Das neue Papier ist aus Kunststoff und zu 99,9 Prozent fälschungssicher. Daher muss nur noch maximal eine Promille der Auslandstouristen mit dem neuen Ausweis sich mit den Engländern um eine Hotelliege streiten. Reisende, die im Ausland nicht als Deutsche auffallen wollen, dürften eine Sonderregelung schätzen: die bisherigen Reiseausweise bleiben „bis zum Ablaufdatum“, also lebenslang, gültig.    

 

Das neue Reisedokument kostet im Normaltarif 60 Euro. Bundesbürger bis zum Alter von 23 Jahren zahlen nur 37,50 Euro. „Ein Schnäppchen“, wie der gereifte Minister neidisch betont. Es ist zu erwarten, dass Millionen Deutsche sich eine neue Geburtsurkunde werden ausstellen lassen, die das geforderte junge Lebensalter ausweist. Damit leitet de Maizière gleichzeitig auch die größte Verjüngungswelle der Neuzeit ein, die die lebensverlängernden Erfolge der Medizin in den Schatten stellt. Man stelle sich nur vor: Zwanzigjährige mit dem Aussehen von Hundertjährigen saufen am Ballermann eimerweise Sangria, nachdem sie wegen 80-jähriger Schnallen die Viagravorräte der örtlichen Apotheken leergefegt haben. Da bleibe ich lieber in der Heimat! 

 

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