Zugausfälle. Eine Satire von Richard Krause

Ist was? Ja doch, Zugausfälle haben auch eine gute Seite!

 

Hamburg ist eine Reise wert. Bekannt für vieles und insbesondere für herausragende Autostaus. Den Staus setzt die konkurrierende Bahn Zugverspätungen und Zugausfälle entgegen.

 

Was auf den ersten Blick wie ein Versagen der Verantwortlichen erscheint, ist in Wirklichkeit ein raffinierter Schachzug zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft. Dem Vernehmen nach erreichen die Umsätze auf dem Hamburger Fischmarkt unbeschreibliche Höhen weil die Bahn zwar die Touristen nach Hamburg hinfährt, sie aber nicht wieder abholt. Ganze Heerscharen von Menschen mit Zeitüberhang verweilen dann Vorort nicht selten bis in den Abend, um bei Gelegenheit ein Autogramm von Ina Müller zu erhaschen, mindestens aber von jemandem, der mit ihr befreundet ist. Oder sie knipsen ein Selfie mit einem streunenden Hund, den Ina Müller dort auch gesehen haben müsste. Dann beginnt auch schon das Nachtleben auf der Reeperbahn. Den Bildungsbürger zieht es am nächsten Tag zur Elbphilharmonie. Deren Akustik ist auch um Oktaven besser als die des Hauptbahnhofs. 

 

Wozu also pünktlich nach Hause fahren wollen?

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